Lyrik – März 2026 von Helmut Voit

Frühlingsgefühle

Auch in Gedichten spielen Gefühle eine große Rolle.

Frühlingsgefühle

Die Freunde der wärmeren Jahreszeiten können bald aufatmen. Die Tage werden immer länger und die Temperaturen immer höher. Nicht nur die Natur erwacht jetzt zu neuem Leben. Auch wir Menschen kommen nun wieder mehr in Schwung und unsere Gefühle melden sich stärker. Bis der Frühling so richtig Einzug hält, brauchen wir aber wohl noch ein bisschen Geduld. Denn oft fällt es dem Winter im März noch schwer, dem Frühjahr den Vortritt zu lassen.

Auch in Gedichten spielen Gefühle meist eine große Rolle. Kein Wunder, dass der Frühling in der Lyrik ein sehr beliebtes Thema ist. 

Lies dir die Gedichte durch und hör sie dir an. Kannst du schon am Vortrag der Sprecherin erkennen, welche Stimmungen die einzelnen Texte vermitteln? Was denkst du? Welche Gefühle empfindet hier das „lyrische Ich“, die Stimme des Gedichts?

Leon Porträt Rechts

Frühling

Schließ mich enger an dein Herz.
Lass mich fühlen, dass du warm bist,
dass die Kälte und was arm ist,
hinter mir im Grauen liegt.

Lass mich nicht mehr fort von dir,
lass mich frei mein Haupt erheben.
Ich vergesse, dass ein Leben
hinter mir im Grauen liegt.

Langsam schwindet mit dem Frost
die Verschüchterung der Triebe,
und ich weiß jetzt, dass die Liebe
vor mir tief im Blauen liegt.

Elisabeth Fuhrmann-Paulsen (1879-1951)

Was heißt …
Haupt: Kopf

Frühling

Frühling

Vorfrühling

Märzstaub fliegt auf. Es fröstelt leicht.
Der Tag in langer Dämmrung bleicht.

Vom Wind das Pflaster blank gefegt.
Es klingt verloren, was sich regt.

Der Kinder Spiel ist eben aus.
Die Mütter winken sie ins Haus.

Es schreit in mir: Verratnes Herz!
Doch geh ich schweigend frühlingwärts.

Hedwig Lachmann (1865-1918) 

Was heißt …
blank: leer

Vorfrühling

Vorfrühling

Geburtstag im Frühling

Im Garten blühn schon ein Weilchen
Schneeglöckchen, Krokus und Veilchen.
Da hab ich nicht lang bedacht
und ein schönes Sträußchen zurechtgemacht.
Das bringe ich dir zum Geburtstagsfest.
Der Frühling dich schön grüßen läßt.
Er sagt mit allem Sonnenschein
kehrt er so gerne bei dir ein.
Damit dein neues Lebensjahr
sei sonnig, fröhlich, hell und klar.

Friedrich Güll (1812-1879) 

Geburtstag im Frühling

Geburtstag im Frühling

Fast wie Musik 

Betrachtest du diese Gedichte, erkennst du schnell Reime und Strophen. Du findest in den Texten aber auch noch weitere Merkmale der Lyrik. 

Wenn du Musik magst, weißt du, dass Musikstücke einen bestimmten Takt haben. Er gibt dem Stück eine besondere Form und Ordnung. Ähnliches gilt auch für die Lyrik. Hier übernehmen unter anderem die Silben der Wörter diese Rolle.

Quak nachdenken

Dein Fachwortschatz

Eine Silbe ist ein Teil eines Wortes. Du erkennst sie fast immer, wenn du ein Wort trennst. Sprichst du das Wort laut vor, klingen die Silben abgerundet. Wörter bestehen aus einer oder mehreren Silben. Zum Beispiel:

„Schneeglöckchen, Krokus und Veilchen" -  Die Wörter dieser Zeile kannst du in diese Silben trennen: „Schnee-glöck-chen, Kro-kus und Veil-chen“ - das Wort „Schneeglöckchen“ hat drei Silben, „Krokus“ und „Veilchen“ zwei, das Bindewort „und“ ist einsilbig. Zähle die Silben zusammen, dann erhältst du die Silbenzahl dieser Verszeile: 3 + 2 + 2 + 1 = 8

In vielen Gedichten ist die Anzahl der Silben in einer Verszeile kein Zufall. Der Text folgt dann einem bestimmten Muster. Liest oder hörst du dieses Gedicht, entwickelt es wie in der Musik einen besonderen Rhythmus und eine eigene Stimmung.

Es gibt auch Gedichtformen, die die Anzahl der Silben in jeder Zeile vorgeben. Dazu gehören zum Beispiel das Haiku und das Tanka, die beide in Japan entstanden sind.

Leon

Ich freu' mich natürlich auch schon aufs Frühjahr. Dann kann ich endlich wieder schön in der Sonne dösen! 

Um warm zu werden, kannst du aber auch dein eigenes Frühlingsgedicht schreiben und vorher diese Quizfragen beantworten. Falls du ein Wort nicht kennst, schau einfach im „Fachwortschatz“ zur Lyrik der letzten Monate nach. Dort werden viele Begriffe erklärt.

Quak flatternd rechts

Lyrische Grüße von Helmut Voit