Lyrik – April 2026 von Helmut Voit

Limericks

Lyrische Scherze aus England

Limericks

Limericks gehören zu England wie der Tee, die königliche Familie oder die Begeisterung für Fußball. Die kurzen, lustigen Gedichte sind auch ein schönes Beispiel für typisch englischen Humor. Und zum scherzhaften April passen die spaßigen Geschichtchen besonders gut.

In Irland befindet sich eine Stadt mit dem Namen „Limerick“. Viele Leute glauben daher, dass die Gedichte von dort stammen oder es zumindest eine Verbindung mit dem Ort gibt. Beweisen lässt sich das jedoch nicht. Sicher ist aber, dass die Form dieser Gedichte vor etwa 200 Jahren in England entstand. Gut einhundert Jahre später fanden die ersten deutschen Limericks auch ihren Weg zu uns. Inzwischen gibt es sie in vielen unterschiedlichen Sprachen. Bis heute gleich geblieben ist ihr meist witziger Inhalt und ihre einfache Form. 

Hör dir diesen Limerick an und lies ihn dir durch. Er enthält vieles, was für diese lyrische Form typisch ist.

Leon Porträt Rechts

Limerick 1

Limerick 1

Limerick 1

Ein Kater aus Hof an der Saale
der schwärmte für fangfrische Aale.
Doch weil die so schwänzeln
und unentwegt tänzeln,
bevorzugt er neuerdings Wale.

Was heißt …
Hof an der Saale: eine Stadt in Deutschland, die am Fluss Saale liegt

Hoffentlich konnte dir dieser Text ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubern. Limericks erzählen meist eine lustige und nicht immer sinnvolle Geschichte. In der ersten Zeile wird fast immer eine Person (oder wie hier ein Tier) aus einem bestimmten Ort vorgestellt. Die nächsten drei Zeilen erzählen dann eine Besonderheit oder ein Ereignis, das mit der Figur zu tun hat. Danach erwartet dich die Pointe. Sie ist ein überraschender Abschluss, der das Erzählte noch einmal witziger macht. 

Das ist auch in diesem Limerick nicht anders:

Limerick 2

Limerick 2

Limerick 2

Ein Kater im schwedischen Lund
litt leider an geistigem Schwund.
Man hörte ihn bellen
in mehreren Fällen.
So kommt man als Katz auf den Hund …

Was heißt …
Lund: eine Stadt im Süden von Schweden

Siehst du dir den Aufbau der Gedichte an, fällt dir sicher noch mehr auf. Alle beide haben die gleiche Anzahl an Zeilen und reimen sich an den gleichen Stellen. Limericks bestehen aus fünf Zeilen. Die erste, zweite und fünfte Zeile haben denselben Endreim und die dritte reimt sich auf die vierte Zeile. Das Reimschema eines Limericks lautet also: aabba.

Die dritte und vierte Zeile heben sich aber nicht nur durch einen anderen Reim von den übrigen ab – sie sind auch etwas kürzer als die anderen. Das kannst du auch bei diesem Limerick erkennen:

Limerick 3

Limerick 3

Limerick 3

Ein Kater am Ufer der Schlei
fing jüngst aus Verseh'n einen Hai
Er dachte noch eben:
„Na das wird was geben!“
Da war's mit ihm auch schon vorbei.

Was heißt …
Schlei: ein Meeresarm der Ostsee, der wie ein Fluss aussieht

Dass die beiden Zeilen kürzer sind, hat etwas mit der Anzahl und Betonung der Silben zu tun. Sie bestimmen den Rhythmus der Limericks. Wie du Wortsilben erkennst, konntest du bereits in der JÖ-Lyrik im März erfahren. Willst du noch mehr zu ihrer Betonung erfahren, mach dich einfach unten beim FACHWORTSCHATZ schlau.

Über Limericks kannst du natürlich auch ohne dieses Wissen schmunzeln. Eines dieser Scherzgedichte selber zu schreiben, ist aber gar nicht so schwer. Ihre feste Form hilft dir dabei, eine kleine witzige Geschichte zu einer Figur und einem Ort zu finden. Im Internet gibt es dazu mehrere Anleitungen und Erklär-Videos. Zum Beispiel hier! 

Du musst dich aber auch nicht immer ganz streng an die Regeln halten. Der letzte Limerick erzählt noch einmal von einem Kater im Pech. Diesmal ist er aus …. aber das siehst und hörst du dir am besten gleich selbst an.

Limerick 4

Limerick 4

Limerick 4

Es war mal ein Kater aus Blech,
der hatte entsetzliches Pech.
Er fiel in den Teich,
und da war er gleich
ein rostiger Kater aus Pech.

Dein Fachwortschatz

Limericks sind witzige Gedichte ohne Titel. Oft beinhalten sie eine Person und einen Ortsnamen. Sie bestehen aus fünf Zeilen und reimen sich nach dem Muster aabba. Ihren Rhythmus erhalten die Limericks durch ein besonderes Versmaß. Die Wörter in den Verszeilen eins, zwei und fünf weisen je drei betonte Silben auf. Die Wörter in den kürzerenVerszeilendrei und vier weisen je zwei betonte Silben auf.

Silben sprichst du unterschiedlich aus. Es gibt betonte (Hebung) und unbetonte Silben (Senkung). Betonte Silben werden beim Sprechen hervorgehoben. Du sprichst sie lauter und höherUnbetonte Silben sprichst du leiser und tiefer. Bist du dir nicht sicher, sprich die Wörter in unterschiedlichen Betonungen. Meist hörst du so die richtige Betonung. Willst du eine Silbe in einem Wort angeben, machst du das mit einem „x“. Eine betonte Silbe markierst du mit einem Häkchen (), eine unbetonte nur mit einem x. Das Wort „Kater“ hat eine betonte und eine unbetonte Silbe. Du stellst es also so dar: „Ka-ter“: x́x

Verszeilen aus den Limericks kannst du zum Beispiel so darstellen: 

Erste Zeile: 
„Ein Kater am Ufer der Schlei“ - „Ein Ka-ter am U-fer der Schlei“ - x x́x x x́x x x́
Hier gibt es drei betonte Silben (x́)

Dritte Zeile:
„Er dachte noch eben“ - „Er dach-te noch e-ben“ - x x́x x x́x
Hier gibt es zwei betonte Silben (x́)

Leon

Limericks machen Spaß und müssen nicht immer den alten Regeln und Mustern folgen. Schreibst du ein Gedicht über eine Ente, habe ich aber eine Bitte: Es wäre schön, wenn die Enten darin ein besseres Ende nehmen als die Kater in den Limericks oben – danke!

Bevor du dich daran machst, probier noch unser Quiz.

Quak flatternd rechts

Lyrische Grüße von Helmut Voit