Lyrik – Mai 2026 von Helmut Voit

Sonne, Mond und Sterne

Gedichte über die Gestirne

Sonne, Mond und Sterne

Die Gestirne sind unsere ständigen Begleiter. Schon immer haben sie die Phantasie der Menschen beflügelt. Auch viele Gedichte drehen sich rund um die leuchtenden Himmelskörper.

Was denkst und fühlst du, wenn du in den klaren Nachthimmel blickst? Viele finden die Sterne einfach nur schön. Andere freuen sich über das Licht, das sie spenden. Vielleicht überlegst du dir aber auch, ob es da draußen im Universum noch anderes Leben gibt. Und wie dieses wohl aussehen könnte. Solche Gedanken hat sich auch eine Lyrikerin, also eine Dichterin, im 19. Jahrhundert gemacht und diese in ein Gedicht verpackt. 

Wie immer, kannst du die Gedichte lesen und zugleich anhören.

Leon Porträt Rechts

Die Sterne

Die Sterne

Die Sterne

Erhaben über dem Erdengetümmel,
da leuchten durch die dunkle Nacht
herab vom hohen, klaren Himmel
die Sterne in der goldnen Pracht,
und ihre Zahl ist ohne Ende.
Wer doch das große Rätsel fände:

Was dort in jenen fernen Reichen
für Schöpfungswunder mögen sein!
Gibt’s Wesen dort, die Menschen gleichen?
Mag gleiches Leben droben sein?
Doch wie der Mensch auch schaut und sinnt und sucht,
sie sind bis heute ein verschlossnes Buch.

Regine Merkle (1875–1903)

Auf die meisten wirken die weit entfernten Sterne sehr beruhigend. Kein Wunder, dass sie in vielen Schlaf- und Wiegenliedern auftauchen. Eines der bekanntesten hat die Britin Jane Taylor vor über 200 Jahren geschrieben. Hier findest du zuerst eine englische Version. Darunter steht eine Bearbeitung auf Deutsch. 

Twinkle, Twinkle, Little Star

Twinkle, Twinkle, Little Star

Twinkle, Twinkle, Little Star

Twinkle, twinkle, little star,
How I wonder what you are.
Up above the world so high,
Like a diamond in the sky.
Twinkle, twinkle, little star,
How I wonder what you are.

Twinkle, twinkle, little star,
Oh, we love you so.
Beautiful and bright in the sky,
Illuminating the whole world.
Twinkle, twinkle, little star,
Oh, we love you so. 

Jane Taylor (1783 – 1824)


Funkel, funkel, kleiner Stern

Funkel, funkel, kleiner Stern,
ach, wie bist du mir so fern.
Wunderschön und unbekannt,
wie ein strahlend Diamant.
Funkel, funkel, kleiner Stern,
ach, wie bist du mir so fern.

Funkel, funkel, kleiner Stern,
ach, was haben wir dich gern.
Strahlend schön am Himmelszelt,
erleuchtest hell die ganze Welt.
Funkel, funkel, kleiner Stern,
ach, was haben wir dich gern. 

Dichterinnen und Dichter sprechen gerne Gefühle an und arbeiten oft mit einer sehr bildlichen Sprache. In Gedichten kommt es dann auch immer wieder einmal vor, dass etwa Tiere oder Dinge sich wie Menschen verhalten. Auch unsere Himmelsnachbarn werden in lyrischen Texten gerne „vermenschlicht“.

In diesen zwei Gedichten stehen die Sonne und der Mond im Mittelpunkt. Im ersten erhält ein Kranker Besuch von einem Freund. Im zweiten beobachtet ein alter Mann mit Neid ein Liebespaar.

Krankenbesuch

Krankenbesuch

Krankenbesuch

Zwei gute Gesellen wir waren,
Die Sonne und ich, 
Wir sind in freudigen Jahren 
Gar oft miteinander gefahren, 
Nun bin ich siech. 

Grau schleichen die Tage, die bangen, 
Doch sieh, da erscheint 
An meinem Bette ein Prangen, 
Die Sonne mit leuchtenden Wangen 
Besucht ihren Freund.

Jakob Bosshart (1862–1924)

Was heißt …
Geselle: Gefährte, Kamerad
siech: krank
bange: ängstlich
Prangen: Glänzen

Der neidische Mond

Der neidische Mond

Der neidische Mond

Nun küsse mich, ich halte still, 
Du lieber, lieber Mann, 
Und zieht der Mond ein schief Gesicht – 
Was geht's den Mond wohl an! 

Ich glaube gar, den alten Herrn 
Plagt nur der blasse Neid: 
Der ginge lieber auch zu 
Zwei'n Durch seine Ewigkeit.

Anna Ritter (1865–1921)

Dein Fachwortschatz

Sprachliche Bilder und Vergleiche spielen in der Lyrik eine wichtige Rolle. Zum Beispiel ist ein Stern dort nicht immer nur ein Himmelskörper, sondern er hat oft auch noch eine andere Bedeutung. In Gedichten steht er unter anderem für 

- Hoffnung und Trost,
- etwas Fernes, Unerreichbares,
- einen Wegweiser, der die Richtung vorgibt,
- etwas, das lange oder ewig besteht

Ein gerne verwendetes sprachliches Bild ist die Personifikation oder Personifizierung. Dabei verhält sich etwas, das kein Mensch – keine Person – ist, wie ein Mensch. Das können zum Beispiel Dinge, Naturereignisse oder Tiere sein, die sprechen, fühlen oder handeln wie Menschen. Personifikationen begegnen dir in der Sprache sehr häufig:

- Die Sonne lacht.
- Der Himmel weint.
- Der schlaue Fuchs.
- Die Zeit rennt.

Leon

Endlich wird auch wieder einmal über mich gesprochen! Ich zähle als sprechende Ente nämlich auch zu den Personifikationen. In der Lyrik im Februar haben wir dir Figurengedichte vorgestellt. Sie geben den Inhalt eines Textes  als Figur wieder. Das kannst du auch gut mit den hier beschriebenen Himmelskörpern ausprobieren.

Davor gibt es aber noch ein Quiz zu lösen. Falls dir etwas unbekannt sein sollte, sieh auch im Fachwortschatz der anderen Lyrik-Monatenach.

Quak flatternd rechts

Lyrische Grüße von Helmut Voit